Gut bewuchert ist halb bassimiliert

Dreckig war’s im Proberaum, jedes Mal aufs Neue liefen alle mit ihren verschmutzten Schuhen über den schönen Laminatboden der musikalischen Übungsstätte. Vor der Tür musste man allerdings auch über mehrere Quadratmeter Schotter, Kies und Sand laufen. Kein vernünftiger Straßenbelag bis zur Eingangstür, aber na ja, immerhin ein beheiztes und trockenes Kämmerlein, gut gedämmt, in dem man auch bis spät nachts in brachialer Lautstärke musizieren konnte. Aber dieser Dreck war jedes Mal unsäglich. Immerhin hatte die Band auch eine Dame in ihren Reihen, allein ihr war der Schmutz kaum zuzumuten.

Egal, die Proben verliefen gut, zwei Mal in der Woche trafen sie sich um ihre Arrangements zu festigen und neue Sounds auszuarbeiten. Und jedes Mal kamen verschiedene Freunde und Kumpels mit, und lauschten dem bunten tonalen Geschehen. Jeder hat doch diesen einen Freund, mit der lockigen Matte auf dem Kopf, ein fein geringelter korkenzieherartiger Mob, der in seiner natürlichen Form einem zerzausten Vogelnest gleich kommt, jedoch in nassem Zustand bestimmt bis zum Steiß seines Trägers reichen würde - hätte man dies nur jemals zu Gesicht bekommen. Keiner weiß so wirklich, wer er eigentlich war, aber alle mochten ihn, diesen einen sympathischen Begleiter der anfänglichen Bandproben. Er hatte keine Aufgabe, er atmete lediglich die dicke Luft weg und hörte zu.

Also verdonnerte man eines Tage den jungen Nicht-Musikus zum Putzen. In feierlicher Bierlaune schnürte man ihm einen Besenstil auf den Rücken und wie sollte es anders sein - mit den Füßen in der Luft, seinem Mob auf’m Kopp und mit Vollgas voraus über das Laminat gefegt, verlieh er dem Boden einen ganz neuen Glanz und trug gleich noch zur allgemeinen Erheiterung bei. Und wie es der Zufall wollte, war jener gut bewucherte Freund nicht nur mit exzellenten Wischqualitäten gesegnet, sondern auch ein begnadeter Bassist.
Warum hat er das nur vorher nicht gesagt, muss man sich ob seines tieffrequenten Instruments schämen? Bassisten sind immer die lustigsten Vögel in der Band, das weiß doch jeder. Und da die Kapelle bis dato mit ohne Bassisten unterwegs war, nannten sie sich MoB! Also, „mit ohne Bassist“. Aber das sollte sich von nun an ändern, hatten sie doch nun auch die letzte Position offenbar perfekt besetzt. Der Name blieb bestehen und nun machen sie mit ihrem Brassrock im Ska-Gewand eine fantastische Figur in der Region. Feierwütige Tanzeinlagen extrovertierter Fans, die über die Tanzfläche fegen, sind stets erwünscht. Aber vorher immer gut die Schuhe abtreten!

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