GEÖLTE STIMMEN AUF UNGEÖLTEN SÄTTELN

Es ist heiß, sehr heiß. Die Sonne brennt runter auf den staubigen Boden, selbst den Geiern ist es zu warm um über ihrem Aas zu kreisen. Kakteen verdorren und der berühmte Strohballen, der über die flimmernde Straße weht, darf natürlich auch nicht fehlen. Kein gutes Klima um die Lager aufzuschlagen. Doch sind die drei Cowboys auf ihren Pferden unterwegs, um in den tiefen Westen vorzustoßen. Ihr Bestreben: Musikalische Erschließung neuen Territoriums. Dort wo es noch als Musik gilt, wenn der Hahn kräht, dort wo das heulen des Windes noch als Melodie durchgeht, wenn er um die Ecken pfeift, ebendort wollen die drei Männer die Fahne des Western-Heavy-Metals hissen.

Mit Glimmstängel im Mundwinkel und Fünftagebart reiten sie daher, gemächlich und bedächtig, immer der Sonne entgegen, die im Begriff ist, am Horizont allmählich von einem grellen Weiß in ein sattes Rot zu tauchen. Gestern noch kamen sie an einem kleinen Dorf vorbei, trostlos und unwirklich, doch man gab ihnen Trinkwasser und etwas Proviant mit, ein erschreckender Fleck auf diesem Planeten. Am Wegesrand klapperten die Klapperschlangen, bis ihre Klappen schlapper klangen. Doch das beeindruckte die drei Reiter mit ihren Instrumentenkoffern auf dem Rücken kaum. Heute muss jedoch ein Nachtlager gefunden werden, an dem es nicht von Kriechtieren wimmelt. Am Horizont erkennen sie Rauch, Feuer, eine Siedlung. Perfekt, so erreichen sie neuen Mut und geben ihren Mähren die Sporen. Dort angekommen, mitten im Zentrum des Ortes steigen sie von ihren Gäulen ab, erspähen direkt den Saloon und betreten ebendiesen mit finsteren Mienen, dennoch froher Heiterkeit ob der Hoffnung, diese Nacht möglicherweise doch einmal wieder in einem richtigen Bett zu verbringen statt auf dem Wüstenboden. Doch was ist das? Im Saloon steht ein Piano und es hängt ein Banjo an der Wand. Hier muss doch schon jemand zuvor sein Unwesen getrieben haben. Musik ist keine große Unbekannte mehr? Die Mission „bring den Western-Heavy-Metal in den Westen wo er hingehört“ scheint wohl wer anders bereits erledigt zu haben?

Der Barkeeper schaut die drei an und raunte: „Da seid ihr ja wieder, wir haben euch schon vermisst. Los, ab mit euch auf die Bühne, spielt noch mal dieses Lied mit diesem Refrain…“ Ja gibt’s das denn, ist das denn die Möglichkeit? Nach tagelangem Ritt bei dem sie sich die Hämorrhoiden auf den ungeölten Sätteln platt saßen, müssen sie feststellen, dass sie seit knapp einer Woche im Kreis geritten sind. Kommt davon, wenn man auch morgens der Sonne entgegen reitet. Aber was soll’s, in diesem Etablissement sind nicht nur die Frauen schön, es schmeckt auch der Schnaps und die Betten sind gut. Gleich darauf läutet der Priester die Glocken, das ist wohl das Zeichen! Nicht lange dauert es und aberhunderte Menschen strömen aus allen möglichen Löchern, Ritzen und Ecken in die Lokalität und starren gebannt auf die Musikusse. Gitarre? Bereit! Ukulelenbass? Bereit! Mandoline? Bereit! Und los geht’s. Aus eigener Feder stammende Gassenhauer, die nur so dahergerollt kommen: Groovy, funky und aberwitzig. Die größten Hits der Musikgeschichte wurden eben nicht in den Siebzigern und Achtzigern des 20. Jahrhunderts geschrieben, sondern von diesen drei Helden der Weltgeschichte etwa einhundert Jahre zuvor. Und das soll was heißen! Lachmuskeln werden trainiert, Party ist garantiert, der schönste Polka-Metal aller Zeiten wird zelebriert, und wir freuen uns auch 120 Jahre später auf ein Highlight des Musikspektakels!

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