Verzauberter Kaffeebohnenregen

Samstag, 21.07.2017, circa 17:00 Uhr, Open Doors Festival in Neu-Isenburg, im Garten vom Treffpunkt. Es regnet, nein, keine Kastanien, auch keine Männer, obwohl der Song sicher auch noch in das Repertoire der Gypsys passen würde, aber es spielen ja gar nicht die Gypsys, sondern es spielt das Beste der Gypsys, es spielt Stereo Coffee – und es regnet. Es regnet immer wieder und der Garten müsste längst leer geregnet sein, da alle ihre Flucht ins Trockene suchen und es regnet immer weiter, aber der Garten ist voll.

Nicht voller Hagelkörner, obwohl durchaus das eine oder andere Korn schon das eine oder andere Stimmband aufgewärmt hat, nein. Der Garten ist voller Menschen, die einfach nicht genug bekommen können, nicht vom Regen oder von Körnern, sondern eher von geschmackvollen Bohnen, in dem Fall eher Kaffeebohnen, noch genauer Kaffeebohnen mit Stereo Geschmack, denen selbst dieser monotone Regen nichts anhaben kann. Und so lassen sich die unerschütterlichen Gäste verzaubern von diesen stereophonen Kaffeebohnen der alleredelsten Sorte.

Michael Baum ist einer der beiden Zaubermeister, der in seiner heimischen Hexenküche unermüdlich, in filigraner Kleinarbeit einen Song nach dem anderen höchstpersönlich eingespielt hat und dem, was manch ein Schlagzeuger despektierlich „Playback“ nennt, oder musikalisch noch größere Ignoranten gar als Karaoke bezeichnen, den besonderen Feinschliff verliehen hat. Zur Erklärung: Stereo Coffee singt zwar live und Hexenmeister Baum spielt auch höchstpersönlich seine unnachahmliche Gitarre, aber der Rest der Musik kommt aus der Konserve. Schon wieder so ein hässliches Wort, welches dem Zaubermeister wie eine Beleidigung vorkommen muss. Denn es steckt so viel Liebe fürs Detail, so viel zauberhafter Sound, so viel mitreißender Groove in seinen Produktionen, dass selbst den Komponisten und Interpreten der Originale, wie beispielsweise Gino Vanelli von dem Song „Wild Horses“, angesichts oder besser angeohrs Bäumchens Produktion der Atem stocken würde.

Gott sei Dank stockt dieser Zaubermeisterin Ena Roth nicht, die gar nicht befürchtet, dass ihr der Himmel auf den Kopf fällt, sondern höchstens, dass dieser endlose Schwall an Regentropfen ihren Champagner verwässert, denn damit ölt sie ihre zauberhafte Stimme und wappnet sie und sich für die verbalen Duelle mit dem Großmeister Baum, welche in kleinen Gesprächen charmant ausgetragen werden. Diese sogenannten „Little Talks“ enden nie in verbalen Schlachten sondern bleiben harmonisch, wohlklingend, leise und oft verträumt. Doch damit nicht genug: Die beiden zauberhaften Stimmen mischen und ergänzen sich so wunderbar, dass sie sich sogar völlig ungeniert an einen Song wie „Calm After the Storm“ heranwagen können und jeder, der Ohren hat, wird feststellen, dass die Interpretation von Stereo Coffee dem Original von „The Common Linnets“ in keinster Weise nachsteht, sondern genau so wunderbar verzaubert. Und deswegen verlässt niemand den Garten des Treffpunkts, weil das ganze Publikum so verzaubert ist, dass es vom Regen gar nichts mitbekommt. Und erst wenn der letzte Song verklungen ist und die Gäste den beiden „Zauberern der Stimmbänder“ in den Saal zum Konzert der Gypsys folgen, wundern sie sich, dass sie schon klatschnass sind, bevor die Gypsys angefangen haben zu spielen.

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